Ich wollte mir heute Morgen nur ein paar Minuten Zeit nehmen, um euch alle wissen zu lassen, dass es hier an der Nord Elfenbeinküste ruhig ist. Momentan befinde ich mich in Korhogo und beabsichtige, heute Nachmittag nach Bouaké zurückzufahren. Wir beobachten die Lage. Vielleicht habt ihr gehört, dass es seit gestern zu bewaffneten Kämpfen an der Elfenbeinküste gekommen ist, da sich der ehemalige Präsident weigert, dem Wahlergebnis nachzukommen, nach dem er eindeutig unterlegen hat.

Dies geschieht in Abidjan, etwa 350 km von Bouaké entfernt, und es handelt sich hauptsächlich um die Taten angeheuerter Verbrecher/Söldner, welche die Volksaufstände in Abidjan und anderen Städten im Süden niederschlagen sollen, wo die Menschen von Mr. Gbagbo verlangen, zurückzutreten und Präsident Alassane Ouattara zu ermöglichen, seinen rechtmäßigen Platz als Präsident der Elfenbeinküste einzunehmen.

Etwa 60 km südlich von Bouaké liegt die Stadt Tiebiessou, wo Anhänger von Gbagbo die Hauptstraße zum Süden des Landes verteidigen. Auch aus dieser Gegend gab es Berichte über Kämpfe. Laut denen, die in Tiebiessou waren, klingt es, als hätte Gbagbo veranlasst, dass sich angolanische Söldner zur Verteidigung der Hauptstraße verschanzen.

Aber auch das ist weit entfernt von uns und unsere Nachbarn sind französische Militärberater, nach deren Aussage es in Bouaké nichts zu befürchten gibt.

Die Gbagbo-Maschinerie versucht ihr Möglichstes, um den Anschein zu erwecken, als ginge nichts Ungewöhnliches vor sich. Noch immer kontrollieren sie die staatlichen Medien und haben internationale Nachrichten-Teams des Landes verwiesen. Sie versuchen alles, um den Informationsfluss unter Kontrolle zu halten, doch so lange Telefone funktionieren, können sie das Land nicht zum Schweigen bringen.

Den Nachrichten zu Folge wurde gestern die amerikanische Botschaft von einer Rakete getroffen, während Gefechten zwischen Gbagbos Söldnern und UN-Truppen und Force Nouvelle – Rebellen, die das Golf-Hotel verteidigen. Dort befindet sich der Hauptoperationssitz des gewählten Präsidenten Alessane Ouattara. Des Weiteren berichteten die Nachrichten heute Morgen, dass die USA Gbagbo mitgeteilt hätten, ihm bliebe nur ein begrenzter Zeitraum, um zurückzutreten.

Was dies in diplomatischem Sinne bedeutet, bleibt mir ein Rätsel. Doch ich würde vermuten, dass die USA keine derartige Äußerungen treffen würden, sollten sie sich nicht etwas dabei denken.

Dank an euch für eure Gebete und eure Sorge. Wir werden alles tun, um euch über neue Entwicklungen auf dem Stand zu halten und bitten um Gebete für Freunde und Familien, die in Abidjan sind und die leben, ohne zu wissen, wie sie an ihre nächste Mahlzeit kommen sollen. In Bouaké können wir noch immer an fast all das kommen, was wir jeden Tag benötigen. Dies ist für unsere Brüder in Abidjan nicht der Fall.

Segen und Hoffung,

Rod Ragsdale
Director of Journey Corps West Africa

(aus dem Englischen übersetzt von Christine Schwarzer)